Sektoren und Branchen | Sectors

Anteile industrieller Branchen an der Wohnbevölkerung 1910 | Shares of industries in the resident population in 1910

Sektoren und Branchen | Sectors

Anteile industrieller Branchen an der Wohnbevölkerung 1902 | Shares of industries in the resident population in 1902

Sektoren und Branchen

Anteile industrieller Branchen an der Wohnbevölkerung 1910

 

Sectors

Shares of industries in the resident population in 1910

Die Karten zeigen die Zugehörigkeit der Bevölkerung (Berufstätige und ihre Angehörigen) zu Branchen des sekundären Sektors. Der Begriff »Industrie« folgt der zeitgenössischen Ausdrucksweise und bedeutet einfach »Branche«. Er hat nichts mit der Betriebsgröße zu tun. Beispielsweise gehörte ein Schneider, der alleine arbeitete, zur Bekleidungsindustrie.

Die regionale Gliederung folgt den amtlichen Berufsstatistik. Die Gebietseinheiten sind in Österreich und Bosnien-Herzegowina Politische Bezirke, in Ungarn Komitate und Munizipalstädte. Die ungarischen Einheiten sind daher im Durchschnitt größer, und lokale Besonderheiten werden weniger gut sichtbar. 

Bei gut einem Dutzend Branchen ist der Anteil der einzelnen Branche im allgemeinen nicht hoch. Zu beachten ist, daß die Skala im unteren Bereich kleinere Abstände hat als im oberen, um einen Vergleich der kleineren mit den größeren Branchen zu erleichtern.

Die regionale Verteilung ist von Branche zu Branche verschieden. Man kann folgende Typen unterscheiden:

  • Branchen, die in weiten Gebieten präsent waren. Dazu gehören das Baugewerbe, die Holzindustrie, die Nahrungsmittelindustrie und die Bekleidungsindustrie. In diesen Branchen arbeitete man überwiegend für den lokalen Markt, eine Nachfrage gab es großflächig, daher gab es auch großflächig Produzenten. Diese Branchen waren durchwegs präsent in den böhmischen Ländern, teils auch in den Alpenländern, die Bekleidungsindustrie auch in Ungarn.
  • Einige Branchen waren regional extrem konzentriert. Dies gilt aus naheliegenden Gründen für den Bergbau (einschließlich Verhüttung von Erzen), bei dem sich im Lauf des 19. Jahrhunderts im Zusammenhang mit dem Kohlenabbau neue Zentren entwickelten, allen voran das Gebiet Ostrau—Karwin in Nordmähren und Schlesien sowie die böhmischen Kohlengruben und auch die Ober- und Weststeiermark. Die Metallindustrie war regional ebenfalls stark konzentriert. Im steirisch-österreichischen Gebiet stand dies in direktem Zusammenhang mit dem Eisenerzabbau der Steiermark. Ebenfalls extrem konzentriert war die Textilindustrie. Ihr Schwerpunkt lag in den böhmischen Ländern, aber auch dort konzentrierte sich die Textilindustrie auf scharf abgegrenzte Gebiete. In den Alpenländern ist neben der Textilindustrie im Waldviertel und Industrieviertel vor allem die Vorarlberger Textilindustrie hervorzuheben. Eine weitere Branche mit einem gewissen regionalen Schwerpunkt war die Industrie der Steine und Erden, worunter Steinbrüche und Zementerzeugung ebenso fallen wie die Glasindustrie. Auch diese Branche war in Nord- und Westböhmen und einem Teil Schlesiens ausgeprägt stark, dazu kommen einzelne Bezirke Oberösterreich und der Steiermark.
  • Einige weitere Branchen waren ebenfalls nur kleinräumig und sporadisch präsent, und auch in diesen wenigen Fällen entfiel auf sie nur ein kleiner Teil der Bevölkerung. Dies gilt beispielsweise für die chemische Industrie. Auch die Maschinenbauindustrie war eine kleine Branche.

Die Zusammenstellung konkretisiert das ausgeprägte Gewicht der böhmischen Länder, insbesondere Nord- und Westböhmens, Nordmährens und Schlesiens, in der österreichischen Industrie. Einzelne Branchen waren durchaus auch in anderen Gebieten stark präsent, in den böhmischen Ländern gilt das für eine Mehrzahl von Branchen.

The maps show the distribution of the population (working people and their dependants) across industries of the secondary sector. 

The regional breakdown follows official occupational statistics. The territorial units are political districts in Austria and Bosnia and Herzegovina, and counties and municipal towns in Hungary. The Hungarian units are therefore larger on average, and local characteristics are less clearly visible. 

For a good dozen industries, their share in the population is generally not high. It should be noted that the scale has smaller intervals at the lower end than at the upper end, to facilitate comparison between the smaller and larger industries.

The regional distribution varies from industry to industry. The following types can be distinguished:

  • Industries that were present across wide areas. These include the construction industry, the timber industry, the food industry and the clothing industry. In these industries, production was predominantly geared towards the local market; as demand was widespread, there were also producers across a wide area. These industries were consistently present throughout the Bohemian lands, and to some extent in the Alpine countries as well; the clothing industry was also present in Hungary.
  • Some industries were extremely concentrated in certain regions. For obvious reasons, this applies to mining (including ore smelting), where new centres developed during the 19th century in connection with coal mining, most notably the Ostrava–Karviná area in Northern Moravia and Silesia, as well as the Bohemian coalfields and Upper and Western Styria. The metal industry was also highly concentrated regionally. In the Styrian-Austrian region, this was directly linked to iron ore mining in Styria. The textile industry was also extremely concentrated. Its centre of gravity lay in the Bohemian lands, but even there the textile industry was concentrated in sharply defined areas. In the Alpine lands, in addition to the textile industry in the Waldviertel and Industrieviertel, the Vorarlberg textile industry is particularly noteworthy. Another sector with a certain regional focus was the non-metallic mineral products industry, which includes quarries and cement production as well as the glass industry. It was also particularly strong in northern and western Bohemia and parts of Silesia, as well as in certain districts of Upper Austria and Styria.
  • A few other sectors were present only on a small scale and sporadically, and even in these few cases they accounted for only a small proportion of the population. This applies, for example, to the chemical industry. The mechanical engineering industry was also a small sector.

This overview highlights the significant weight of the Bohemian lands, particularly Northern and Western Bohemia, Northern Moravia and Silesia, within Austrian industry. While individual industries were certainly also strongly represented in other regions, this applies to the majority of industries in the Bohemian lands.

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